Wie Yoga meine späte große Liebe wurde

Wie Yoga meine späte große Liebe wurde

Es begann mit einer Schnupperstunde. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Figur meiner Yogalehrerin nichts mit meinem wachsenden Interesse für Yoga zu tun gehabt hätte. Muskulös, aber nicht muskelbepackt war sie, und sie floss geschmeidig und kraftvoll durch ihre Asanas. Das wirkte irgendwie athletisch UND gesund, das gefiel mir. Und mehr Beweise, was Yoga für den Körper tut, brauchte es für mich zunächst einmal nicht.

Mit jeder Stunde wuchs meine Freude an dieser Art der Bewegung. Inzwischen praktiziere ich seit sechs Jahren Yoga und bin jetzt genau so kraftvoll, muskulös und biegsam wie meine Lehrer. Kleiner Scherz. Natürlich nicht, aber ich bin auf einem guten Weg. Der ja sowieso das Ziel ist. Drei mal die Woche schaffe ich es meistens in mein Yogastudio; allein zu Hause bin ich nicht sehr diszipliniert.

Rundum glücklich dank Rundumyoga

Aber warum genau Yoga? Es klingt vielleicht blöd, aber es bedeutet mir unerwartet viel. Unerwartet, weil ich nie damit gerechnet habe, dass es irgendwann für mich mal etwas gibt, das im weitesten Sinne mit Sport zu tun hat (bitte nicht schlagen, liebe Yogis),‎ und mich trotzdem nicht anödet.https://petraalbrecht-bestzeit.de/jungbleiben-durch-sport/ ‎

‎Ich bewege mich, ich strenge mich an, ich schwitze – und liebe es. Merkwürdig. Ich bin nämlich eigentlich eher der Sofa-Lese-Typ in meiner Freizeit. Aber vom Yoga komme ich mit leuchtenden Augen und einem Dauergrinsen im Gesicht zurück. Und dieser Effekt ist anhaltend. Yoga macht was mit einem. Was genau, das können andere viel besser beschreiben. Ich kann nur sagen, was Yoga mit mir gemacht hat und das ist eine Menge.

Dabei tut Yoga manchmal richtig gemein weh. Manche Positionen eine Zeitlang zu halten, ist Folter. Aber wenn man es öfter macht, lässt der Schmerz nach. Und andere Schmerzen gehen einfach weg oder kommen nicht mehr. Nach einem Jahr Yoga habe ich plötzlich gedacht, huch, mein Ischias? Wo isser? Der vertraute Schmerz, nachts im Bein, so dass ich nicht mehr schlafen konnte – weg war er und er kommt nur noch wieder, wenn ich längere Zeit kein Yoga mache.
Wenn man um die sechzig ist, zwickt es jeden plötzlich hier und da. Aber mit Yoga lässt sich das in Schach halten. Davon bin ich inzwischen überzeugt.

Und die Figur? Sagen wir, ich bin zufrieden. Ich weiss ja nicht, wie ich mittlerweile ohne Yoga aussehen würde. Ich glaube aber schon, dass meine Muskulatur insgesamt gekräftigt ist. Das schöne bei den Asanas ist ja, dass sie meistens den ganzen Körper oder mehrere Muskelgruppen beanspruchen und man unmerklich was für alles tut. (Das hat mich früher beim Krafttraining immer so genervt, dass man alle Körperteile so isoliert trainiert hat. Jetzt noch den Po, jetzt noch den Trizeps, jetzt die oberen Bauchmuskeln und jetzt…habe ich keinen Bock mehr!) Beim Yoga arbeitet man kein Programm ab, sondern fliesst durch die Bewegungen. Oder versucht es zumindest.

Kommen wir zur Seele. Und ich entschuldige mich bei meinen geschätzten Lehrern, dass ich das als letztes erwähne. Bauchmuskeln kann man eben viel besser sehen als ein gestärktes Gemüt. Aber natürlich hat Yoga auch in dieser Hinsicht viel für mich getan. Ich konnte manchen Frust auf der Matte lassen und die Entspannung zum Ende der Stunde war oft so tief, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Außerdem färbt der ständige Umgang mit Menschen, die Yoga zum Lebensinhalt gemacht haben, auf erfreuliche Weise ab.

Ich möchte deshalb nie, nie, nie mit Yoga aufhören. Manchmal stelle ich mir vor, wie ich als ganz alte Frau immer noch Yoga praktiziere. Dieser Weg ist doch ein schönes Ziel, oder?