Gesichtsgymnastik für Faule

Gesichtsgymnastik für Faule

Ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht, ob Gesichtsgymnastik immer noch so ein großes Thema ist. Vor Jahren war es das allerdings. Da gab es keine Frauenzeitschrift, die nicht irgendwann versprochen hätte, dass man durch bestimmte Übungen die Kontur des Gesichts verbessern könne oder auch Falten reduzieren.

Weil man das aber über einen längeren Zeitraum und sehr regelmäßig machen sollte, kam das für mich nie in Frage, denn ich bringe dafür einfach nicht die Disziplin auf. Gesichtsgymnastik ist für mich nichts.

Bis auf eine Ausnahme. Aber die verhält sich zu wirklicher Gesichtsgymnastik wie Rolle vorwärts zum Salto Mortale. Diese eine Übung, die ich regelmäßig mache, ist auch eigentlich keine. Es ist – Lächeln. Ohne Quatsch.

Ich fahre ja oft mit der Bahn und da ist mir aufgefallen, dass Menschen, wenn sie einfach so rumsitzen oder -stehen und ganz in Gedanken sind, zu 99 Prozent unglaublich muffig gucken. Die Mundwinkel unten, der Blick teilnahmslos und leer. Und ich habe mir vor vielen Jahren schon vorgenommen, immer wenn mir das mal wieder auffällt, leise zu lächeln. Also nicht zu grinsen wie ein Breitmaulfrosch, sondern eher so monalisamäßig. Und das mache ich tatsächlich seitdem. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Und das tolle ist, wenn man lächelt, kostet es unglaubliche Anstrengung, die Augenbrauen zusammen zu ziehen.

Es ist ja eine Binse, dass man mit dem Älterwerden das Gesicht bekommt, das man verdient. Und was heißt schon „verdient“? Niemand hat Krankheit, Entbehrungen oder Schicksalsschläge verdient. Gibt es aber alles und das nicht zu knapp. Und dabei soll man dann lächeln? Gar nicht so einfach. Aber den Versuch ist es wert. Wenn man es wie eine Gymnastikübung betrachtet, geht es auch in weniger guten Phasen. Und die Gesichtsmuskeln merken nicht, ob das Lächeln von innen kommt. Am besten einfach mal vor dem Spiegel ausprobieren, was dieses ganz kleine Lächeln für eine Wirkung hat. Ich schwöre, es gräbt sich mit der Zeit ein. Solange man freundlich schaut, haben Zornesfalten oder hängende Mundwinkel keine Chance. Noch besser ist natürlich lachen. Aber so ganz allein für sich in der Bahn wirkt man dann doch eher etwas schräg. Faltenfrei, aber bekloppt.