Ein alter Hut: Sonnenschutz hält jung

Ein alter Hut: Sonnenschutz hält jung

Die Tatsache, dass meine Haut die Jahre relativ knitterfrei überstanden hat, ist mit Sicherheit auch darauf zurückzuführen, dass ich in meinem Leben so wenig Sonne abbekommen habe. Das klingt jetzt ziemlich freudlos, ist aber rückwirkend betrachtet, ein großes Glück. Allerdings wars erst mal Pech. Großes Pech.

Kurz nach meiner Geburt erblickte meine Mutter etwas auf meiner Wange, was da nicht hin gehörte und mit jedem Tag größer wurde. Es stellte sich heraus, es war ein Blutschwamm. So ein Ding, das Gorbatschow auf der Stirn hatte. Natürlich in kleiner, aber ich war ja auch noch klein. Leider wuchs der Blutschwamm überproportional und als ich vier Wochen war, hatte das Ding schon die Größe eines Zwei-Cent-Stücks. (Damals zwei Pfennig)

Ein Mädchen mit einer tintenblauen Gesichtshälfte – meine Mutter war in Panik. Sie ging mit mir zum Arzt und der überwies uns zum Radiologen. Vor sechzig Jahren war der Umgang mit Röntgenstrahlen sehr sorglos und nach dem Motto „viel hilft viel“ ballerte mir der gute Mann mit einer Art Strahlenkanone eine Hammerdosis auf die Wange und verkochte den Blutschwamm regelrecht. Der war zwar dann auch weg, aber wenn ich später Röntgenfachärzten von dieser Brachial-Methode erzählt habe, schlugen die immer die Hände überm Kopf zusammen. Aber damals, in Zeiten von Atomtests mit Publikumsbeteiligung, nahm man es nicht so genau. In Schuhgeschäften standen schließlich auch Röntgengeräte und es war immer ein großes Hallo, wenn man beim Kinderschuhe anprobieren die Füße da rein halten durfte und die eigenen Knochen sah.

Immerhin gab der Arzt meiner Mutter mit auf den Weg, „in die Sonne mit dem Gesicht besser nicht mehr“, weil er wohl doch die Summe der Strahlung für nicht ganz unbedenklich hielt. Nun galt meine Geburtsstadt Remscheid nicht gerade als der Hotspot in Sachen „Schönwetter“, sondern es hiess immer, dort kommen die Kinder mit dem Regenschirm in der Hand zur Welt. Insofern war ich in Sicherheit. Blieb die Urlaubszeit.

Und auch was das anging, waren die Bedingungen für mich geradezu ideal. Meine Eltern waren, nun ja, nicht sehr abenteuerlustig. Und ein Urlaub im Ausland, gar im Süden, wo mit Olivenöl gekocht wird und man kein Wasser aus dem Hahn trinken kann, der fiel glasklar unter „großes Abenteuer“. Während also meine Schulkameradinnen nach Ferienende von der Sonne geküsst zurückkamen vom Gardasee oder der Costa Brava, kam ich als „Kalkleiste“ (Danke, bitches) aus dem Odenwald zurück.

Doch wer zuletzt lacht, hat zwar trotzdem Lachfältchen, aber keine keine frühkindlich erworbenen Sonnenschäden, die dummerweise viel gefährlicher sind, als die, die man im fortgeschrittenen Alter bekommt. Damals war ich grün vor Neid, wenn die anderen braun waren. Heute bin ich dankbar, dass die Sonne und ich eine Beziehung auf Distanz hatten.

Die haben wir übrigens bis heute. Ich gehe nie ohne Tagescreme mit Sonnenschutz aus dem Haus. Und glücklicherweise hat die Wissenschaft nicht nur Fortschritte gemacht hat, was die Grenzwerte von Strahlenbelastung angeht. Auch in Sachen Selbstbräuner waren die Forscher nicht untätig. Früher wurde man davon orange und hat fürchterlich gestunken. Heute riechen sie nicht nur gut, sondern man sieht auch wirklich damit aus, wie von der Sonne geküsst. Aber eben nur ganz zärtlich. Und das ist mehr als genug.