Bunte Socken oder die gewonnene Lebenszeit

Bunte Socken oder die gewonnene Lebenszeit

Dass ich da aber auch nicht vorher drauf gekommen bin!

Okay, ich mags ja eigentlich eher dezent und da kann man (und auch Mann) mit schwarzen Socken wenig verkehrt machen. Zur Jeans völlig in Ordnung und bei mir sowieso immer in den Boots oder Stiefeletten versteckt. Aber irgendwann müssen die Dinger ja auch mal in die Waschmaschine und danach in den Trockner. Und dann liegen sie da. Beziehungsweise liegt ES da. Ein Knäuel so groß wie ein Medizinball. Aus schwarzen Socken in Größe 39 und 45. Die einen etwas kürzer, andere ein bisschen länger, mit geripptem Bund, ohne Bund, aus Wolle oder Baumwolle, vielleicht sogar aus Bambus (gibt es wirklich und ist echt weich) – also das, was man so zusammengekauft hat im Laufe der Zeit. Allerdings sind es nur auf den ersten Blick alles die gleichen Socken, auf den zweiten ist es die Pest.

Denn jetzt geht es ans sortieren. Und man darf keinesfalls glauben, nur weil man die Socken paarweise in die Wäsche gesteckt hat, dass sie auch zu zweit wieder raus kommen. Oder überhaupt sowas wie Treue zum Partner kennen. Im Gegenteil. Manche haben die Gelegenheit genutzt und sich abgesetzt. Davon sogar einige für immer. Was zu folgender Sortierung führt: meine Socken, die noch als Paar existieren, seine Socken, dito, und dann der Rest: lauter Einzelsocken, die vielleicht für immer welche bleiben werden. Die kommen in eine Schublade, wo sie darauf warten, ob mir vielleicht das Gegenstück irgendwann wieder in die Hände fällt.

Warum erzähle ich das?

Bestimmt nicht weil ich jetzt darüber spekulieren möchte, wo die Socken bleiben. Das haben schon viele andere getan und es hat nichts daran geändert, dass sie auch weiterhin verschwinden werden.

Nein, ich habe vielmehr eine Lösung gefunden. Und die ist so verblüffend, dass ich es selber kaum glauben kann. ICH. KAUFE. NUR. NOCH. BUNTE. SOCKEN.

Nie war sortieren so einfach. Schwups, wächst zusammen, was zusammen gehört. Je auffälliger das Muster, desto besser. Wenn sie in den Stiefeln stecken, ist es eh wurscht, ob Marienkäfer oder Einhörner drauf sind. Aber das Zusammenlegen ist ein Traum. Wie Memory spielen, wenn alle Karten offenliegen. Blitzschnell sind sie verpaart und verknäult.

Das Allerseltsamste aber ist, dass plötzlich keine Socken mehr verschwinden. Die knallbunten Dinger können sich einfach schlechter verstecken. Und wer weiß, vielleicht ist die Neigung, sich abzusetzen, auch geringer, wenn es nur einen einzigen gibt, der ganz genau zu einem passt?

Jetzt müsste ich eigentlich noch meinen Mann von den bunten Socken überzeugen. Aber ich weiss gar nicht, ob ich das wirklich möchte…Vielleicht tun es für den Anfang dezent farbige, aber immerhin so unterschiedlich, dass man auf Anhieb erkennt, welche Socke dazu gehört. Ganz rigoros hat ein Bekannter von uns das Problem gelöst. Er hat sich auf einen Schlag komplett neue Socken gekauft. Alle vom gleichen Hersteller, Größe, Farbe – alles identisch. Ein und die gleiche Socke mal x. Da spart man sich sogar das paarweise Zusammenlegen.