60 ist die neue 25. Statistik für Optimisten

60 ist die neue 25. Statistik für Optimisten

Um den 60.Geburtstag herum kam bei mir zum ersten mal das Gefühl auf, so, jetzt hast Du den größten Teil Deines Lebens definitiv hinter Dir. Das hätte ich zwar auch schon mit fünfzig denken können, aber damals war ich gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt.

Aber kurz vor sechzig kam der Gedanke mit voller Wucht: Wie lange geht das hier wohl noch? Also habe ich mal gegoogelt: Frau, 2017, 60, Lebenserwartung. Und was soll ich sagen? 24,85 Jahre gibt mir die Statistik noch. Bei guter Pflege sind sicher auch die vollen 25 drin und das ist doch wirklich eine verdammt lange Zeit. Denken wir nur mal daran, was zwischen der Geburt und dem 25. Geburtstag alles passiert ist!!!

Also ignorieren wir jetzt einfach mal die Möglichkeit, dass es auch ganz anders kommen könnte und setzen voller Vertrauen auf die Statistik. 25 Jahre, die wir jetzt einfach mal als Ganzes und nicht als Rest betrachten. Als eine Zeitspanne, die wir mit Leben füllen, so viel wie eben rein passt. In der wir versuchen, so zu leben, wie wir schon lange leben wollten und in der wir das hinter uns lassen, was uns nicht mehr gut tut. Als einen Lebensabschnitt, in den wir nicht als Neugeborenes, sondern wie neu geboren hineingehen. In ein Leben, das wir uns selbst schenken. Und in dem wir uns manches schenken können.

Genau an diesem Punkt meines Lebens bin ich gerade. Und deshalb hadere ich auch überhaupt nicht mit meinem Alter. Das fand ich schon immer sehr undankbar, denen gegenüber, die gern noch am Leben geblieben wären….Ich bin gern und gut sechzig geworden. Mein Mann hat mich zwei Tage vorher nach Rom entführt und wir haben in einem Straßencafe in einer Seitenstraße vom Trevi-Brunnen in meinen Geburtstag reingefeiert. Am Wochenende drauf haben wir eine große Party gegeben. Das hat sich alles ganz prima angefühlt. Und natürlich war es eine nette Begleiterscheinung, dass der von mir meistgehörte Satz in diesem Jahr so ging: „Was??? Du bist 60? Nein!!!“  Und dann weiter:“Sag mal, wie machst Du das?“

Ja, wie habe ich das gemacht? Ich habe viel Glück gehabt. Punkt. Und ich erwähne das nicht als erstes, weil ich so bescheiden bin, sondern weil es stimmt. Ich hatte in meinem bisherigen Leben keine schwere Krankheit, keinen schlimmen Unfall, keine traumatisierenden Schicksalsschläge und kein hartes oder entbehrungsreiches Leben. Das alles kann Spuren hinterlassen, innerlich wie äußerlich, und wenn man, wie ich, das Glück hatte, davon verschont zu bleiben, ist das ein großes Geschenk und nichts, worauf man sich etwas einbilden könnte. 

Die berühmten guten Gene spielen dabei sicher auch noch eine Rolle, aber der ganze große Rest ist eine Frage der Einstellung. Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Gehen oder bleiben? Machen oder sein lassen? Aufstehen oder liegen bleiben?

Wir haben die Entscheidung. Und eine könnte sein: Heute ist der erste Tag von XX tollen Jahren. Google weiß, wie viele es noch sind.

PS: Die Kollegen von der Rheinischen Post sind übrigens auch der Meinung, dass 60 mitten im Leben ist…;-)

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/keine-chance-auf-langeweile-aid-1.7150760